Speculative Fiction Series II - Loretta Fahrenholz »IMPLOSION« und »Ditch Plains«

"Ditch Plains" (R: Loretta Fahrenholz)
"Ditch Plains" (R: Loretta Fahrenholz)

Filmreihe des D21 Kunstraum Leipzig in Kooperation mit Clemens von Wedemeyer.

Loretta Fahrenholz »IMPLOSION« und »Ditch Plains« 
Datum: 4. Dezember, 20 Uhr
Ort: Luru Kino

Im Anschluss an die Aufführung findet ein Gespräch mit der Künstlerin statt.

Ditch Plains
DE/FR/USA, 2013, 15 min.

Ditch Plains ist ein dystopischer Sci Fi Tanzfilm. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit der Streetdance-Gruppe Ringmasters Crew zur Zeit von Hurricane Sandy in Brooklyn.

Wie Avatare, die verschiedene Level eines apokalyptischen Computerspiels durchlaufen, halluzinieren Ringmasters Corey, Jay Donn und Marty McFly die Stadt New York und ihre Netzwerke, als Ort von Verzauberung, Terror und Mutation. Beim „flexing“, „bone breaking“, „pauzing“ und „connecting“ in nächtlichen Straßen, Hotelfluren und einem noblen Park Avenue-Apartment improvisieren die Tänzer traumartige Sequenzen, die an digitale Deathmatches, Razzia- und Durchsuchungsaktionen sowie an bedrohliche Mensch-Maschine-Interfaces denken lassen. Szenen auf iPhone-Bildschirmen flimmern wie Vine-Videobotschaften in eine verdunkelte Welt, wo niemand sie empfangen kann. Dazwischen zeigen Dokumentaraufnahmen aus Far Rockaway die realen Auswirkungen von Hurricane Sandy. Während Polizisten durch das zerstörte Überschwemmungsgebiet patrouillieren, sammeln sich Schlangen von Wartenden mit Benzinkanistern vor den Tankstellen.

Mit seinen Verweisen auf aktuelle Pop-Spektakel wie Step Up Revolution, aber auch auf Jean Rouchs Film Les maîtres fous imaginiert Ditch Plains das Bild einer Endzeit-Street- party und entwirft eine abstrakte Erzählung über die fatale Verbindung von Subjekten und Systemen in Zeiten der Krise.

mit Ringmasters Corey, Jay Donn, Marty McFly, Jim Fletcher, Vibez, Asha Flasha, Damian „Gucci-ino“ Buchanan, Lil Buck, Spyda Da HatMan, Modesto Flako Jimenez, Princess Lockeroo, 8 Ball, Ace, Dez, DVS, Flizzo, Maze, Optimus, Problemz, Scorp, Lakela Brown, Marie Karlberg, Jackie Klempay, Michael Stynes, Vanessa Cintron, Prynce Ptah, Michael Sanchez

Kamera: Till Megerle, Schnitt/Ton: Steffen Martin, zweite Kamera: Loretta Fahrenholz, Connor Owens, zusätzlicher Schnitt: Lena Hatebur, Koordination: Inka Meissner, Text: John Kelsey, Voice-over: Corey Batts: Corey Batts, Titelanimation: Elisabeth Schulze, Animation: Steffen Martin, Titel/Grafikdesign: Lina Grumm/HIT, Color Grading: Ben Brix, Musik: Dan Aran, Timo Ellis, Steffen Martin, Pharmakon 

Implosion
USA, 2011, 30 min

Implosion, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Kathy Acker, ist ein mehrfaches Übersetzungsexperiment – nicht nur von einem Medium in ein anderes, sondern auch zwischen Zeitaltern und zwischen Körpern. Der 30-minütige Film lässt sich als Fortführung beziehungsweise Radikalisierung einer literarischen Geste Ackers betrachten, die ihr Drama über die Französische Revolution ins New York der frühen 1980er-Jahre legt und den historischen Inhalt in Sprache und Körper der Punks, Junkies und Prostituierten von Downtown Manhattan überträgt. Loretta Fahrenholz besetzt ihre Adaptation des Stücks mit zeitgenössischen Nicht-Schauspielern – jungen Männer, die im echten Leben ihre Zeit in Fitnessstudios, in Clubs oder am iPhone verbringen und als Grafikdesigner arbeiten oder ihr Geld mit internet porn verdienen. Durch die Wiederkehr von Kathy Ackers Punk-Stimme aus den Mündern der jungen, urbanen Protagonisten aktiviert der Film die Lücke zwischen den beiden New Yorks (von 1983 und 2011), zwischen einer brutalen, transgressiven, unlängst vor dem Bankrott stehenden und von Obdachlosen wimmelnden Stadt und dem vernetzten, abstrakten New York von heute. Während sie in einem Hochhausapartment unweit von Ground Zero auf ihren Laptops Chaos und Terror planen, treten die Silhouetten der Darsteller gegen postmoderne Glasfassaden und den weiten blauen Himmel hervor. Implosion zeigt ein HD-Bild des Schreckens und der Ängste der Gegenwart. Er erlaubt uns, uns selbst aus der Punk-Perspektive einer längst verschwundenen SM-Bohème neu zu betrachten und scheint zu einem Verrat an der Gegenwart aufzufordern. 

Text: Implosion, Kathy Acker 1983
mit Edwin Figueroa, Ryan Lawrence, Robert Macaraeg, Murphy Maxwell, Park McArthur Kamera: Loretta Fahrenholz, Ton: Travis Houldcroft, Musik: Timo Ellis
Color Grading: Kilian Hirt, Tonmischung: Steffen Martin, Titel: Lina Grumm/HIT 

Loretta Fahrenholz (1981 in Starnberg) lebt und arbeitet in Berlin. Ihre letzten Filme umfassen My Throat, My Air, 2013; Ditch Plains, 2013; Grand Openings Return of the Blogs, 2012; Haust, 2010, Que Bárbara,2011, und Implosion, 2011. Einzelaustellungen (Auswahl) Galerie Francesca Pia, Zürich (2014), Halle für Kunst, Lüneburg (2013), Reena Spaulings Fine Arts (2013). Gruppenausstellungen und Screenings unter anderem im Modern Art Oxford, Oxford, Grossbritannien (2014); 10. Shanghai Biennale (2014), ICA, London (2014), Museum of Modern Art in Warschau (2014), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2014), Kunsthalle Basel (2014), Artist Space, New York (2013), Arnolfini, Bristol (2013) Museum of Modern Art, New York (2011, 2012); Sprengel Museum, Hannover (2012); und Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Wien (2012).

Gefördert durch:

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