Die gesamte Nation befände sich in einem „delirium of nostalgia“ schimpfte kürzlich der New Yorker Kunsthistoriker Simon Schama anlässlich des Erfolgs der amerikanischen Kostümserie „Downtown Abbey“ in der Newsweek. Modische Renaissancen und Retrowellen sind keine Erfindung unserer Zeit, aber nie prägten sie so bestimmend den Zeitgeist wie heute. Was fasziniert uns so an der Vergangenheit? Warum bezahlt Facebook eine Milliarde US-Dollar für die Foto-Plattform instagr.am, deren bedeutendste Innovation der Vergilbungseffekt von Smartphone-Bildern ist? Ist es das Melancholische des Retro, wie Niklas Maak vermutet? In Retro überlebe ästhetisch, was politisch aufgegeben wurde: „Die Euphorie eines Aufbruchs, der Glaube an die Möglichkeit eines Wandels, an Zukunft.“ Unsere desorientierte Gegenwart, so die Diagnose, zieht sich ihre Dosis Zukunftsglauben aus der Vergangenheit. Es gibt gute Gründe, sich dieser Rückwärtsbewegung aus einer anderen Perspektive anzunähern, aus einer künstlerischen.

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In einem Kooperationsprojekt präsentiert D21 Kunstraum Leipzig gemeinsam mit dem Kuratorenteam Birgit Vogel, Elmar Bambach (beide „Ein Magazin über Orte“, Berlin) und Jörg Koopmann (München) und dem Projektraum bautzner69 in Dresden die Ausstellung ORT II.

Orte, die Spuren hinterlassen haben, Orte im Umbruch, öffentliche und persönliche Orte. Diese Ausstellung setzt inhaltlich die Ausstellung ORT fort, die die Kuratoren 2010 für die Kunsthalle München entwickelt hatten. In einem Text von Johannes Muggenthaler zur damaligen Schau heißt es: „Der Ort existiert auch ohne Menschen, aber die Menschen gibt es nicht ohne Ort. Jeder Ort, den der Mensch erblickt, ist Menschenort. Stirbt der Mensch, ist der Ort wieder bei sich oder er wird weitergereicht, anderen, neuen Menschen ausgeliefert. Wir leben größtenteils in einer weitergereichten Welt, an weitergereichten Orten. Gewissermaßen bereits getragene, manchmal ausgediente oder überarbeitete Orte. Die Secondhandorte stehen in Konkurrenz mit den hektischen Neuformulierungen der Jetztzeit, mit dem, was hinzukommt.“ Die Ausstellungsreihe gibt einen Einblick, in welcher Weise mit dem Medium Fotografie diese Orte dargestellt und aus welcher Motivation heraus Orte überhaupt dokumentiert und festgehalten werden.

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Wortreich ließe sich die Kluft leugnen, die zwischen Betrachter und dem Objekt der Kunst herrscht. Dabei ist Fremd-sein und Nicht-Verstehen Grundzug der Begegnung mit dem Neuen, Außergewöhnlichem und Randständigen. So wie der amerikanische Bebobber Dizzy Gillespie unerfüllbare Sehnsüchte in den Vers „I knew a wonderful princess in the land of Oobliadooh“ kleidete, tauchte diese Lautmalerei bei Fritz Rudolf Fries („Der Weg nach Oobliadooh“, 1966) für den Abschied vom (sozialistischen) Alltag seiner Leipziger Romanhelden wieder auf – für ihr Lotterleben zwischen Träumen, Lieben und Trinken.

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Für den baskischen Künstler Eriz Moreno ist Fotografieren eine Form des Reisens. Mittels Fotografie erschließt er sich Städte und Landschaften. Für seine Publikation „London IV“ erkundete und fotografierte er 2010 die Vorstädte Londons, indem er die Stadt mit öffentlichen Bussen umkreiste, dabei akribisch GPS-Koordinaten und Uhrzeit notierend. Die Publikation „Departures“ (2010) hält startende Flugzeuge fest.

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Die D21/LAB-Ausstellung „Ping Pong“ zeigt ein Wechselspiel zwischen einer Installation von Nina K. Doege und Tuschezeichnungen von Eva Walker. Ein ästhetischer wie fragiler Umgang mit Materialität und Duktus verbindet die Positionen der beiden Künstlerinnen. Figürliche Schwarzweißzeichnungen stehen einer farblich abstrakten Position gegenüber. Nina K. Doeges installative Arbeiten sind häufig temporär konzipiert und lediglich auf die kurze Dauer einer Ausstellung angelegt. Eva Walkers zeichnerische Momentaufnahmen verweisen ebenfalls auf die Auseinandersetzung mit Zeit und Raum.

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