The tricky gift – teilen statt besitzen?

Gespräch mit Medientheoretiker Prof. Dr. Tilman Baumgärtel und Markus Zimmermann

Zeit: 10.9.2016, 20:00 Uhr
Ort: D21 Kunstraum

Im Rahmen der Ausstellung »Take me, Tiger«  sprechen Prof. Dr. Tilman Baumgärtel, Medienwissenschaftler und Journalist, und der Künstler Markus Zimmermannmit der Kuratorin Lena Brüggemann über die Verheißungen der Sharing Economy, des Co-Konsums und über die künstlerische Auseinandersetzung mit der Idee vom Teilen und Tauschen. Stehen wir am Beginn eines postmateriellen Zeitalters? 

Prof. Dr. Tilman Baumgärtel unterrichtet Medientheorie an der Hochschule Mainz. Er hat zu den Themen Medienkultur, Netzkunst, Computerspiele, Independent Kino in Südostasien und den deutschen Filmemacher Harun Farocki veröffentlicht. Sein Buch »Schleifen. Zur Geschichte und Ästhetik des Loops« (Kadmos Verlag) ist gerade in der zweiten Auflage erschienen.

Wir sprechen mit ihm über seine Thesen zur Sharing Economy.

Die Arbeiten von Marcus Zimmermann enthalten seit einigen Jahren eine intensive und performative Auseinandersetzung mit Waren und Gaben. Für die Ausstellung im D21 Kunstraum hat er die Arbeit »Schlafen & Sprechen« entwickelt, die den Besucher_innen die Möglichkeit gibt, in der Ausstellung zu übernachten – ein Angebot, das vor allem auf Menschen abzielt, die ihre Wohnung vermieten und in der Zeit einen Ersatzschlafplatz brauchen.

Seine Arbeiten wurden in letzter Zeit im Centre Georges Pompidou, Paris, KW Institute for Contemporary Art, Berlin und auf der CeBIT-Messe in Hannover gezeigt.

D21 Ausstellung: Take me, tiger

»Was liegt in der gegebenen Sache für eine Kraft, die bewirkt, daß der Empfänger sie erwidert?«
(Marcel Mauss, Die Gabe)

Geben. Annehmen. Erwidern. Die Ausstellung »Take me, tiger« nimmt das 10jährige Jubiläum des D21 Kunstraum zum Anlass, die Ambivalenzen des Schenkens und Teilens und die durch sie erzeugten sozialen Beziehungen neu in den Blick zu nehmen. Besonders im Fokus stehen dabei das Objekt der Gabe, das die sozialen Beziehungen erzeugt.

Geben ist riskant: Es verlangt Vertrauen. Wird das Geschenk angenommen? Wird etwas zurückgegeben? Schließlich verschenkt man auch immer einen Teil seines Selbst – dieses bleibt mit der Gabe verbunden. So verstrickt die Gabe die Nehmenden in ein Verhältnis zu den Gebenden.

Doch im Gegensatz zur Ware und zu den neueren Entwicklungen einer digitalen Tauschwirtschaft, die alle Aspekte des Lebens in potentielles Kapital verwandelt, ist die Gabe gleichzeitig obligatorisch und frei, sowohl eigennützig und uneigennützig. Durch sie entsteht eine soziale Ordnung, die sich durch wechselseitige Verschuldung ausdrückt. In Abgrenzung zum utilitaristischen Individualismus wird hier der Mensch als solidarisches Wesen entworfen. In einigen indianischen Kulturen dient das rituelle Schenken, der Potlatch, dem Herstellen von sozialer Ordnung. Es ist ein agonistischer Kampf darum, wer fähig ist, mehr zu geben – ein ständiger Tausch von Menschen, Dingen, Höflichkeiten.

Statt das Ideal eines interesselosen, reinen Austauschprozesses hinzunehmen, spürt die Ausstellung Widersprüche, Zwänge und Verpflichtungen auf, die mit dem Akt des Schenkens einhergehen. „Take me, Tiger“ bündelt vor diesem Hintergrund sechs internationale, zeitgenössische Künstlerpositionen, die sich diesen Zusammenhängen performativ nähern.

Am 02.10.2016 findet von 12–15 Uhr im Rahmen des Lindenow in Kooperation mit interaction Leipzig e.V. ein Workshop zu Kulturen des Schenkens statt.

Gefördert durch:

Kooperationspartner Workshop: Interaction Leipzig

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