Das Gesammtkunstwerk – Experimente der Vergemeinschaftung

Symposium / Performances / Workshops
im Rahmen der Ausstellung »Aporien des Wir. Das Gesammtkunstwerk«im D21 Kunstraum Leipzig vom 28. März bis 27. April 2014

Download: Programm-Faltblatt

Zeitraum: 
4. April bis 6. April 2014

mit:
Dr. Kai van Eikels; Gallery Fist; Prof. Dr. Katja Kwastek; red park; Alexandra Vinzenz; Jonas Paul Wilisch

Veranstaltungsorte: 
Neues Schauspiel Leipzig, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und D21 Kunstraum

Heute gibt es ein erneutes Interesse an Gemeinsamkeit, vor allem in der künstlerischen Produktion: Gibt es Kreativität ohne Hierarchien, mit einer Gleichwertigkeit von Autor_innen und Publikum? Wo ist die Gemeinschaft produktiv, wann wird sie zum Zwang? Was will und kann ein (soziales) Gesamtkunstwerk heute sein? Richard Wagner leitet es 1849 von ›zusammen‹ ab und hat es deshalb mit mm geschrieben. »Das Gesammtkunstwerk« widmet sich in interdisziplinärer Perspektive Formen der Vergemeinschaftung in aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Positionen.

In dem Symposium im Workshopformat vermitteln Experten aus den Bereichen Kunst, Kunstgeschichte, Kulturtheorie, Theaterwissenschaften und Medientheorie Einblicke in ihre Recherchen. Von und mit den Teilnehmenden wird die Idee des »Gesammtkunstwerk« durch kollaborative und partizipatorische Praxis und Methodik bearbeitet, diskutiert und ausprobiert. Die Möglichkeiten von Kollektivität werden experimentell erprobt, indem der Rahmen des Symposiums gemeinsam gestaltet wird.

Workshops:
Zur Teilnahme an den Workshops bitte die CALLS FOR APPLICATION beachten.

Kooperation:
Das Symposium ist eine Zusammenarbeit des D21 Kunstraum mit Prof. Dr. Dieter Daniels, Cora Czarnecki und Deborah Jeromin

Grafik:
Léon Auffenberg, Lea Kontak, Marie Lautsch, Patrick Müller

PROGRAMM

4. April, 19.30 Uhr

Ort: Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Festsaal

Öffentlicher Auftakt des Symposiums

Dialogischer Vortrag

»150 Jahre Gesamtkunstwerk. Von Wagner bis Schlingensief«
Alexandra Vinzenz, Prof. Dr. Dieter Daniels

Im Dialog soll ein historischer Abriss zum Konzept Gesamtkunstwerk gegeben werden und dabei Projekte in den Blick genommen werden, die sowohl theoretisch die von Wagner angelegte Zweipoligkeit aufgreifen, zugleich aber auch praktische Umsetzungen verfolgen. Schlagworte wie Interaktion, Performativität, Gemeinschaft und/oder Gesellschaft, Wirklichkeit etc. spielen dabei eine grundlegende Rolle.

Alexandra Vinzenz, M.A., ist Kunsthistorikerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Philipps-Universität Marburg und arbeitet derzeit an einer Dissertation mit dem Titel: Vision „Gesamtkunstwerk“. Performative Interaktion als Kunst.

Prof. Dr. Dieter Daniels ist Professor für Kunstgeschichte und Medientheorie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Veröffentlichungen und Ausstellungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts u. a. zu Marcel Duchamp, Fluxus, Medienkunst sowie zur Schnittstelle von Musik und bildender Kunst.

5. April, 10 bis 14 Uhr

Ort: Neues Schauspiel Leipzig

Workshop

»Machen wir es getrennt zusammen oder zusammen getrennt?
Optionen, Kriterien, Strategien des Produzierens zu Vielen«
Dr. Kai van Eikels

Kollektiv Kunst zu produzieren - das klingt möglicherweise deshalb gut, weil es Vorstellungen von trauter Gemeinschaft weckt: Nestwärme (statt Isolation); Solidarität (statt Konkurrenz); Synergie (statt Ich-Ressource); Creative Common (statt geistiges Eigentum). Wie organisieren wir aber dieses kollektive Produzieren konkret? Wie viel Freiheit, Eigenwilligkeit, Disziplinlosigkeit brauchen die Einzelnen? Wie trägt das Miteinander der Erfahrung Rechnung, dass die anderen mir oft genug auf die Nerven gehen? Was tun gegen die informellen Hierarchien, die sich in Gruppen herausbilden, wo die formellen fehlen? Ist ›Gruppe‹ überhaupt eine gute Form kollektiven Produzierens? Müssen kollektiv Produzierende sich versammeln? Welche Optionen eines loseren, zerstreuteren, Bedürfnisse nach Trennung stärker respektierenden Miteinander-was-Machens gibt es, und was sind deren Vor- und Nachteile? Der Workshop wird diesen Fragen theoretisch und praktisch nachgehen. Das Motto lautet: »Let's get the loose part right«.

Dr. Kai van Eikels ist Gastprofessor für Tanzwissenschaft am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin und Autor des Buches »Die Kunst des Kollektiven. Performance zwischen Theater, Politik und Sozio-Ökonomie.
WEB 1 | WEB 2

5. April, 15 bis 19 Uhr

Ort: Neues Schauspiel Leipzig

Workshop

»Kollektive Kreativität − Crowdsourcing als Weg zur Crowd Creativity?«
Prof. Dr. Katja Kwastek

Partizipativer Kunst wird nicht selten vorgeworfen, sie instrumentalisiere ihre Rezipienten. Es wird kritisiert, die Teilnehmer seien als vermeintliche Ko-Produzenten letztlich nicht mehr als Handlanger der Künstler. In diesem Workshop diskutieren wir Kunstprojekte, die kollektive Kreativität propagieren. Der Schwerpunkt liegt auf Projekten, die ihre Teilnehmer mittels Crowdsourcing Plattformen rekrutieren und damit oft anonymisierte, meist asynchrone Partizipation ermöglichen. Inwiefern unterscheiden sich die Konzepte und Ergebnisse solcher Projekte von synchroner Partizipation? Wie wichtig ist es, ob Teilnehmer die Beiträge der anderen im Entstehungsprozess des Werks bereits beobachten können? Gibt es so etwas wie „Schwarm-Kreativität“ (analog zu Schwarm-Intelligenz)? Welche Rollen nehmen Künstler als Initiatoren solcher Projekte ein? Wie lassen sich die von ihnen aufgestellten Regelsysteme analysieren und wie verhalten sie sich zu anderen Regel- und Referenzsystemen, die in solchen Projekten eine Rolle spielen? Welche Bedeutung hat der vermittelnde technische Apparat, welche die Bezahlung der Teilnehmer?

Prof. Dr. Katja Kwastek ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin, Professorin für Kunstgeschichte an der VU Amsterdam und Autorin des Buchs Aesthetics of Interaction in Digital Art.

5. April, 20 Uhr

Ort: Neues Schauspiel Leipzig

Performance

red park - »egoland – a study in self design«

Auf der Bühne wird ein virtuelles Wesen ins Leben gerufen. Es ist nicht einer, sondern viele. In ihm vermischen sich das Individuelle und das Gemeinsame, Fakt und Fiktion, Geständnisse und kühne Behauptungen. Ein Mensch-Maschine-Interface treibt die Performance an. Der Entwurf des „ICH“ sieht jeden Abend anders aus, denn das Publikum entscheidet, welche Facetten ins Spiel kommen. Die Performance arbeitet mit einer kombinatorischen Dramaturgie, die vom Publikum mitbestimmt wird und macht die Zuschauer_innen so zu Kollaborateuren. Das ist das »ICH« in »egoland«: Selbst-Design auf allen Ebenen.

red park arbeitet seit 2003 auf den Terrains von Performance und Live-Art. Im Zentrum der Projekte steht die Gestaltung von Produktionsprozessen als künstlerische Recherchen und die Erprobung experimenteller Dramaturgien und Settings. Zahlreiche Arbeiten basieren auf der Aneignung performativer Modelle des Alltagslebens. Es geht darum Situationen zu erzeugen, die alle Beteiligten – Agierende wie Rezipierende – etwas angehen. Mit Shows, site-specific-Performances und Installa­tionen verfolgt red park eine Politik der Anstiftung.

Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro
freier Eintritt für Teilnehmende des Symposiums

6. April, 10 bis 14 Uhr

Ort: Neues Schauspiel Leipzig

Workshop

»Co-Laboratory ZUM VERBOT«
Jonas Paul Wilisch

Endlich ein Wir, das Jedem selbst gehört! Das Co-Laboratory ZUM VERBOT bildet die temporäre Plattform zu einer experimentel­len Auseinandersetzung: Konstellationen wie sie im gesellschaftlichen Alltag nicht vorhanden oder unzulässig sind, werden hier laborhaft erprobt und in gemeinsamer Arbeit beleuchtet. Alle Mitwirkenden sind Akteur_innen und Kritiker_innen zugleich. Das für den Rahmen des Symposiums konzipierte Co-Laboratory ZUM VERBOT soll auf der Grundlage seiner thematischen Ambivalenz ein demokratisch organisiertes, multiperspektivisches Spielfeld eröffnen, an dem sich kontrovers und mit ungewissem Ausgang beteiligt werden kann.

Der Künstler Jonas Paul Wilisch ist seit 2013 Meisterschüler bei Prof. Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. In seiner theoretischen Diplomarbeit zum Thema Das Eigene und die Verhältnisse. Involvierungspraktiken in der Partizipationskunst entwickelte er 2013 ein neues Modell für eine künstlerische Praxis, das Co-Laboratory.

6. April, 15 Uhr

Ort: Neues Schauspiel Leipzig

Performance

Gallery FIST - »the exotic underprivileged«

A CONSTANT ATTACK OF THE PROCESS // A FORCED CHANGE OF MEANING
A DIRTY TRANSFORMATION // OF THE PHYSICAL // THE SOCIAL // AND THE ECONOMICAL
THE CONVERSION IS THE PROCESS // NO FOCUS // ONLY TEMPORARY FLUX
THE REAL BASICS ARE EMERGING
NO MERCY FOR THE SOCIETY // NO MERCY FOR THE NATIONS
NO RIGHTS // NO DUTIES // ONLY LIBERATIONS // ONLY LIMITATIONS
NO IDENTITY // ONLY MULTIPLE IDENTITIES
NO BONDS // NO DIFFERENCES // A NOMADIC INTERACTION BECOMES THE (RE)SOLUTION
CLAIM // RAISE // TRANSFER
THIS IS THE STATUS // THIS IS THE TOTAL OTHER

Gallery FIST gründete sich 2009 als anonym bleibendes Künstlerkollektiv. In ihren Peformances suchen sie nach einer rauschhaften, kollektiven Überschreitung der Normalität.

6. April, 16 Uhr

Ort: Neues Schauspiel Leipzig

Abschlussdiskussion

09. April – 12. April 2014

God’s Entertainment »Fr.Eiland – Hütten der Sehnsucht«

Workshop im D21 Kunstraum

Im Rahmen der Ausstellung »Aporien des Wir. Das Gesammkunstwerk« im D21 Kunstraum Leipzig findet ein mehrtägiger Workshop des österreichischen Theaterkollektivs God´s Entertainment statt.

Kann das Zusammenleben jenseits der bestehenden Regeln existieren? Können unterschiedliche Interessensgruppen gemeinsam eine neue Stadt imaginieren? Können neue gemeinsame Regeln gefunden werden? Mikronationen gelten in kürzestem Sinne als Utopien mit ihren Idealen, die nach selbstbestimmten autonomen Räumen suchen, in welchen das Gegengift für neoliberale Globalisierung konsequent wirkt. Als soziale Experimente betreiben Mikronationen ein Bild von Menschen, welche den Herrschaftsanspruch eines neuen Staats visieren.

Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur entstanden und entstehen hunderte Do-It-Yourself Hütten, gekennzeichnet als Staaten mit ihren eigenen kleinen Welten. Sind aber diese Hütten nun mehr gemeint als a) alternative Wege des Zusammenlebens oder als b) politische Praxis einer souveränen demokratischen Gesellschaft, oder c) aus rein geistlichen Bedürfnissen nach einer eigenen Insel mit dem Königreich á la yourself? Die Workshops von God’s Entertainment nehmen diese Fragen zum Untersuchungsgegenstand. Warum entsteht diese Sehnsucht nach neuen Formen der Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung des Territoriums, des Zusammenlebens, der Kultur, etc. Was ist falsch an unserer Gesellschaft und unseren Werten. Warum streben wir neue Räume als Träume des Utopias an und versuchen uns als souveränen Staat oder Imperium gegenüber dem Bestehenden zu deklarieren?

Die Workshopteilnehmer werden solche utopischen Räume, ausgehend von zeitgenössischen Perspektiven der zivilgesellschaftlichen Praxis, erforschen und darauf eine experimentelle Plattform für wissenschaftliche Themen entwickeln, die anschließend dementsprechend präsentiert werden.

God‘s Entertainment ist das Kollektiv einer experimentell arbeitenden Theatergruppe in Österreich, das über (Theater-) Konventionen zu transzendieren versucht. God‘s Entertainment arbeitet seit 2006 in den Bereichen Performance, Happening, Visual-Art und Sound. Als Spielfeld nutzen sie nicht nur die Theaterbühne für ihre Performances, Aktionen finden genauso in der Öffentlichkeit statt. Als wichtigster Punkt kann das Einbeziehen des Publikums gesehen werden, das die meisten ihrer Arbeiten prägt.

http://www.gods-entertainment.org

18. – 19. April 2014

Proforma14

»Warum Begleitschutz anmelden um gemeinsam zur Bäcker_in zu gehen? «

Workshopreihe zu solidarischen Netzwerkstrukturen

Treffpunkt:
A und V
Lützner Str. 30
04177 Leipzig

In der Reflektion von Motiven, Methoden, Form und Inhalt solidarischen Handelns wollen ?wir?* Möglichkeiten und Entwicklungen übertragbarer solidarischer Prinzipien diskutieren und ausprobieren. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Ermöglichung von Handlungsfähigkeit durch Netzwerkstrukturen.

Anmeldung:
*?wir? sind bisher eine Projektgruppe des Netzwerkes AG Russland. Mehr Infos zum Workshop und Anmeldung unter: info@ag-russland.de

 

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