D21 Filmreihe: Der Bau der Intrige – Über Filme die was machen

Datum: 18.10. 2016, 18:30
Ort: Luru Kino
Zum Gespräch: Bert Rebhandl

Film: Torre Bella. 
Regie: Thomas Harlan (Portugal 1975)

Über die Reihe:

„Wie beim Bau einer Intrige entstand ein Film nicht aus einem Drehbuch, sondern zunächst mal entstand nur Wirklichkeit“ (Thomas Harlan über »Torre Bela«)

Seit der Moderne ist es vor allem das gesellschaftlich engagierte Kino von Eisenstein bis Farocki, das mit dem Anspruch auftritt, politische Ziele, aber auch Kritik erst in Bildern zu formulieren, um diese dann in der gesellschaftlichen Realität durchzusetzen.

Heute hat sich dieser engagierte Film vielerorts in den Räumen der zeitgenössischen Kunst aufgelöst; aus dieser Verbindung entstehen neue Projekte, die den Zuschauer einbinden und aktivieren wollen: Als Rezipientin einer radikal anderen Lebensvorstellung, als Teilhaberin einer kommenden Gemeinschaft. Dabei verbinden sich alte und neue Strategien des Einbeziehens des Publikums, wie das Brechtsche Theater und Konzepte der Performativität. Performativität hat dabei eine doppelte Bedeutung und ist zum einen im Sinne des englischen Performance auf Auftritte und Darstellungen zu verstehen. Zum anderen geht es bei Performativität darum, wie bestimmte Auftritte und Darstellung, im Gegensatz zur Repräsentation, selbst Realitäten schaffen, statt auf sie zu verweisen. Für die Filmreihe ist diese zweite Bedeutung, die auf den amerikanischen Sprachphilosophen John Austin und seine berühmten, unter dem Titel How to Do Things With Words zusammengefassten Vorlesungen zurückgeht, zentral. In einer Auswahl von filmgeschichtlich relevanten sowie zeitgenössischen Arbeiten geht es um Filme »die etwas machen«, die Wirklichkeit herstellen, eine Situation entscheidend verändern; in denen die Kamera, das Filmteam, die Produktion eine Situation zuspitzt, aufdeckt, unmöglich oder eben erst möglich macht.

„Der Bau der Intrige – über Filme, die was machen“ lotet die Möglichkeiten eines aktivistischen Kinos aus. Im Luru Kino werden Filme gezeigt und mit eingeladenen Expert_innen und dem Publikum diskutiert. Kann Film nicht nur über politisches Handeln sprechen, sondern auch Teil des politischen Handelns seins?

Torre Bela

Die Filmreihe „Der Bau der Intrige – Über Filme die was machen“ beginnt mit Thomas Harlans Torre Bela, ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm über die Nelkenrevolution in Portugal. Er zeigt die Besetzung eines Schlosses und die Gründung einer Kooperative. Ursprünglich sollte der Film anderen Kooperativen als Anschauungsmaterial dienen und ein Modell von politischem Handeln aufzeigen. Die Bauern der Kooperative wurden monatelang von der Kamera begleitet, so dass die Anwesenheit der Kamera selbstverständlich wurde. »Es fällt also gar nicht mehr ein, für sie, ohne sie, etwas zu machen (…) oder in sie reinzuschauen. Es gibt also in dem Film keinen Blick in die Kamera.« (Thomas Harlan)

Zum Gespräch über den Film kommt Bert Rebhandl.

Bert Rebhandl

Bert Rebhandl studierte Germanistik, Philosophie und Katholische Theologie und ist als Filmkritiker
und Sachbuchautor tätig, außerdem als Dozent an der Freien Universität Berlin. Rebhandl schreibt in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, u.a. in der FAZ und der Tageszeitung. Er gründete die Filmzeitrschift »cargo«.

Gefördert durch:

files/d21theme/image/foerderlogos/Kulturamt_Leipzig.jpgfiles/d21theme/image/foerderlogos/Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.jpg

Zurück