Window Display Show #7: »Hra/ničení«

Vojtech Rada, »Nebul Core«, Filmstill, 2016
Vojtech Rada, »Nebul Core«, Filmstill, 2016

Ausstellungsdauer: 26. Januar bis 12. Februar 2017
Die Window Display Show #7 ist jeweils von Freitag bis Montag ab 20 Uhr bis zum Morgengrauen in den Schaufenstern des D21 Kunstraum zu sehen.

mit: Petra Lellakova und Vladimira Vecerova, David Prilucik, Vojtech Rada, Lucie Rosenfeldova

Kuratorin: Tereza Hruskova

Hraničení ist ein wenig gebräuchliches tschechisches Wort, das das Verhältnis zweier benachbarter Dinge oder Wesen beschreibt, ähnlich dem Teilen einer Grenze mit Etwas oder Jemanden. Es kann mit „Umrandung“ nur grob übersetzt werden. Wenn das Wort getrennt wird (Hra/ničení), ergeben sich durch diese kleine Änderung die beiden Worte „Spiel“ und „Zerstörung“.

Perta Lelláková and Vladimíra Vecerová, »You cannot video-performance«, 2015
Perta Lelláková and Vladimíra Vecerová, »You cannot video-performance«, 2015

Wir leben in einer Zeit in der viele Grenzen und Grenzlinien übertreten und durchkreuzt werden – im positiven wie im negativen Sinn. Das Spiel ist ein Weg, die eingefahrenen Regeln zu verändern und eine Möglichkeit, diese Grenzen zu überwinden. Die Ausstellung Hra/niceni präsentiert fünf junge tschechische Künstler_innen, die in ihren künstlerischen Ansätzen Videos als ein heute sehr verbreitetes Kommunikationsmittel nutzen. Aus unterschiedlicher Perspektive stellen sie ähnliche Fragen über persönliche Freiheiten und formulieren die These, dass die Welt permanent durch digitale Medien, Datensammlungen und permanent genutztes Internet manipuliert wird. Die künstlerischen Arbeiten benutzen dabei das „Bild“ sowohl als direkten Verweis als auch als Metapher.

Window Display Show

Die Window Display Show wendet sich somit direkt an die Passanten: Seit 2011 präsentiert der D21 in den Wintermonaten Werke internationaler Künstler_innen in den Schaufenstern des Raums. In mehreren Nächten in der Woche strahlen die Arbeiten ausschließlich aus den Rundbögen der Fenster in den Straßenraum. Eine klassische Eröffnung gibt es daher nicht.

Filmstil von »Nebul Core video instalation«, Vojtech Rada, 2016
Vojtech Rada, »Nebul Core«, Filmstill, 2016

Vojtech Rada (geb. 1991) zeigt die Videoinstallation „Nebula Core“ (2015) – eine Sammlung von Stillleben, Video-Performances und Simulationen zur virtuellen Realität. Er beschäftigt sich mit der Darstellung
von Ferne, von unerreichbaren Orten und Ereignissen; mit unerfüllten persönlichen Wünschen und unsichtbaren Räumen, die unter privater oder staatlicher Kontrolle sind. Rada spiegelt unsere
Unfähigkeit, die Realität von der Simulation zu unterscheiden. Unsere Irritation, evoziert durch seine Videos, zeigt, dass wir nicht mehr unterscheiden können zwischen dem, was wahr ist und dem, was wahr
erscheint.

Vojtech Rada studierte Bildhauerei an der UMPRUM, Prag und schloss seinen Master in Architektur  an der Acadamy of Fine Arts in Prag ab. 2016 hatte er seine erste Solo-Show in Frankfurt am Main in der Galerie husslehof. Er arbeitete als Architekt in Zürich und als Beta-Tester und Drehbuchschreiber bei Disney. Heute arbeitet er als 3D-Grafiker und entwickelt Virtual Reality-Apps.

Perta Lelláková and Vladimíra Vecerová, »You cannot video-performance«, 2015
Perta Lelláková and Vladimíra Vecerová, »You cannot video-performance«, 2015

Petra Lellakova (geb. 1985) und Vladimira Vecerova (geb. 1988)arbeiten von Zeit zu Zeit als Künstlerduo zusammen. In der Window Display Show zeigen sie ihre Arbeiten „You can“ (2012-2013) und „You cannot“ (2015). Es ist eine Metapher für persönliche Beziehungen – körperliche und räumliche – zwischen zwei Menschen. Sie behandeln sich selbst als gebrauchte und unbrauchbare Dinge. Im zweiten Video versuchen sie, Teil ihrer Umwelt zu werden. Sie benutzen eine absurde Mimik und Kleidung, die ihre Identität verdeckt und verwischen somit die Grenze zwischen ihren Körpern und ihrer Umgebung.

Vladimira Vecerova und Petra Lellakova sind Absolventen des von Anna Daucikova geleiteten New Media II Studio an der Academy of Fine Arts in Prag. Sie arbeiten seit 2012 zusammen. Bekannt wurden sie durch ihre Video-Serien „You Can“ (Muzes, 2013) und „You Cannot“ (Nemuzes, 2015), für die sie für den Exit Preis 2013 und den StartPoint Preis 2015 nominiert wurden. Ihr Video „Marmotour (2015) hat bei der 2015 PAF (Olomouc Festival of Film Animation) den Spezialpreis der Jury gewonnen. 

David Prilucik (geb. 1991)überprüft in seinem Video „Present, Perfect, Continuous“ (2014-2015) die Auswirkungen unserer Umwelt auf unser Verhalten. Er filmt zwei Personen, die in einen Möbelladen gehen.
Sie laufen durch den Laden in vorgetäuschter Zeitlupe, die genauso künstlich ist wie der Raum, in dem sie sich bewegen. Prilucik vergegenständlicht eine virtuelle Umgebung, in der wir uns täglich bewegen,
ohne ihr besondere Beachtung zu schenken. Er zeigt uns diese Bewegungen als Gleichnis
unserer sozialen Aktivitäten, die so weit entfernt sind von unserem natürlichen Verhalten, dass wir
feststellen: Unsere aktuellen Probleme können wir nur lösen, wenn wir grundlegende Überzeugungen
und Einstellungen unserer Gesellschaft verändern.

David Prilucik studierte an der Academy of Fine Arts in Prag bei Ruth Noack (2013), Simon Wachsmuth (2014), Jiri Lindovsky und Tomas Vanek (2010-2016) sowie an der Brezel Academy of Fine Arts und Design in Jerusalem. 2015 war er Finalist des „Other Vision“–Wettbewerbs, des einzigen Wettbewerbes für modernen, tschechischen Film und Video, und nahm an dem „Now & After International Video Art Festival“ in Moskau teil. 

Lucie Rosenfeldova (geb. 1988) behandelt in „Parallel Hopes“ (2015) die Themen der Identität,  der Individualität und der Grenze zwischen uns selbst und anderen Menschen im Internetzeitalter. Sie skizziert eine formelhafte Umgebung und zeigt, dass es für jeden von uns möglich ist, ein  „mind management“ (ein psychologisches Training der Selbstverbesserung) zu erfahren. Ihr Video ist ein filmisch hervorragend gemachter Protest gegen die moderne, kapitalistische Kolonisation des Einzelnen und seines Geistes.

Lucie Rosenfeldova studierte Pädagogik und Kunst am UMPRUM in Prag. Sie nahm an Ausstellungen als Künstlerin teil und ist auch als Kuratorin tätig („Against Nature“, National Gallerie Prague, Open Call der UM Prague und der Subversive Tactics im Czech Center New York). 2016 erhielt sie den „Other Vision Prize“  für ihr Video „Polymind“.

Gefördert durch:

files/d21theme/image/foerderlogos/Kulturamt_Leipzig.jpgfiles/d21theme/image/foerderlogos/Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.jpg

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