D21 Ausstellung: »Legitimate Rehearsals«

Eröffnung #1: 13.04.2017, 19 Uhr (mit Performances von Toon Fibbe, Ilke Gers)
Eröffnung #2: 04.05.2017, 19 Uhr (mit einer Performance von Jeremiah Day)

Ausstellungszeitraum: 14.04. bis 21.05.2017

Öffnungszeiten:[nbsp]Freitag bis Sonntag, 15 bis 19 Uhr

Künstler_innen: Jeremiah Day, Toon Fibbe Paula Gehrmann, Ilke Gers, Emma Haugh, Conny Karlsson Lundgren, Emanuel Mathias, Hana Miletić, Kym Ward, Katharina Zimmerhackl

Kuratorinnen: Lena Brüggemann & Katharina Zimmerhackl
Kuratorische Assistenz: Paula Gehrmann

Die Ausstellung Legitimate Rehearsals erklärt den Kunstraum zum Testfeld. Untersucht wird das Potential künstlerischer Auseinandersetzungen, mit ästhetisch-formalen Mitteln politische und soziale Prozesse zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen. Nach welchen Regeln handeln wir heute und wie formen wir dadurch gesellschaftliche Prozesse? Inwiefern können im künstlerischen Raum soziale Verhältnisse neu gedacht und eingeübt werden? Die präsentierten Arbeiten stellen Fragen nach den Bedingungen und Grenzen gesellschaftlicher Teilhabe.

In zwei ineinander übergehenden Ausstellungszyklen – mit gesonderten Eröffnungen – werden mittels Videoinstallationen, Soundarbeiten und Performances die Beziehungen zwischen Recht, Macht und der Reproduktion sozialer Verhältnisse neu verhandelt. Die Künstler_innen entwickeln durch Reinszenierungen und Verfremdungen ästhetische Positionen, die aufeinander reagieren und Überschreibungsprozesse sichtbar machen. Teile der Arbeiten des ersten Zyklus verschwinden im zweiten, neue Werke kommen hinzu. Das Interesse, auch Momente der Kollektivität und Kollaboration zu erzeugen, spiegelt sich in den Formen und Formaten wieder – von Videos, Performances und Workshops bis hin zu partizipativen Ausstellungssituationen.

Rahmenprogramm #1 - „Licking Concrete“ – Workshop mit Emma Haugh, 07.05.2017, 12 - 16 Uhr

Emma Haugh in collaboration with Holly O’Brien & Aileen Murphy, the Re-appropriation of sensuality
Emma Haugh in collaboration with Holly O’Brien & Aileen Murphy, the Re-appropriation of sensuality

Der Workshop Licking Concrete basiert auf einer Auseinandersetzung mit Materialien aus dem Archiv der Arbeit The Re-appropriation of Sensuality.

The Re-appropriation of Sensuality ist ein kollaboratives Langzeitprojekt der Künstlerin Emma Haugh. Das Projekt versucht Repräsentationsformen von Begehren und deren politische Architekturen neu zu formulieren, indem das Verhältnis von Körperwissen, Performance und räumlicher Anatomie untersucht werden. Der Arbeit liegt die Frage zu Grunde: Wie stellen wir uns einen Raum vor, der sich der Manifestation eines queer-feministischen Begehren widmet?

Die Arbeit wird durch kollektive Prozesse der Wissensproduktion entwickelt und realisiert. Sie entsteht in Form von Gesprächen, Workshops, Performances und eines kollektiven Archivs bestehend aus Fotografien, Collagen, Zines, Fantasy-Texten oder Architekturzeichnungen. Als Teil der Ausstellung Legitimate Rehearsal materialisiert sich The Re-appropriation of Sensuality als Installation, printed matter und in Form eines Workshops. In ihm werden unter den thematischen Schwerpunkten „Politik des Raumes, Zeitlichkeit, Print-Ephemera und Stadt“ neue, kollektive Momente und ästhetische Behauptungen erarbeitet. Der Workshop besteht aus performativen, affektiven und körperlichen Reaktionen auf Text- und andere Materialien. Improvisation, Gestik, Collage, Zersplitterungen, Unterbrechungen und andere zufällige Formen fließen in den Prozess ein.

Um Anmeldung unter lickingconcrete@gmx.de wird gebeten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Der Workshop ist auf Englisch.

Rahmenprogramm #2

Kuratorische Führungen: 22.04. & 13.05.2017, jeweils 15 Uhr

Es ist keine Anmeldung erforderlich.

Über die Künstler_innen:

Jeremiah Day überprüft politische Konflikte und Widerstände anhand der Entfaltung subjektiver Spuren und Kontexte durch Fotografie, Reden und Körpersprache. Er arbeitet vorwiegend mit Simone Fortis “research-moving-talking”-Methode, in der Inhalte nicht didaktisch abgeschlossen, sondern vielmehr unabgeschlossen und fragend vermittelt werden. Fragen nach Orten und geschichtlicher Erinnerung werden durch fragmentierte Narrative und Bilder ergründet. In einer hybriden Form von Realismus eignet sich Day historische Ereignisse an. Diese dienen als Metaphern und Beispiele, durch die größere philosophische und politische Fragen beleuchtet werden.

www.edbprojects.com/artists/jeremiah-day/

Toon Fibbe, "Het groote Tafereel"
Toon Fibbe, "Het groote Tafereel"

Toon Fibbe verwendet Mittel der Performance als analytische Werkzeuge. Er interveniert in Situationen durch die performative Erforschung von Charakteren (real, fiktional, aktuell oder historisch) und sammelt auf dem Weg Materialien – von Objekten bis zu Texten und Dialogen. Zuletzt arbeitet er vorwiegend mit dem Charakter des Spions, der mit Geheimnissen handelt, Informationen entziffert und verschlüsselt, dessen Identität unklar bleibt und der eine Rolle spielt in der Verteilung und dem Fluss von Informationen.

www.toonfibbe.com

Paula Gehrmann

Die Praxis der Leipziger Künstlerin Paula Gehrmann lebt von der Interaktion und Kooperation mit verschiedensten Kontexten und künstlerischen Positionen, als auch dem performativen Moment des Ortsspezifischen. Mit den Mitteln der Dokumentarfotografie verfolgt sie die ästhetische Untersuchung und Befragung von Bild und Raum; wobei ihr die Fotografie in erster Linie als ein Medium dient, das (räumliche) Prozesse demonstrieren und offenlegen kann. Im nächsten Schritt wird immer auch der eigentliche Ausstellungskontext in Form variabler Displays relevant. Diese überführen den Raum und machen ihn in seiner Beschaffenheit erfahrbar, schlagen zwischen Bild- und Realraum eine Brücke. Die raumgreifenden Displays dienen zum einen schlicht als funktionales Objekt, spiegeln jedoch auch immer die spezifischen Räume, Orte und Menschen wieder mit denen die Künstlerin in Berührung kommt.

www.paulagehrmann.de

Ilke Gers, "How it makes you move"
Ilke Gers, "How it makes you move"

Ilke Gers ist eine in Rotterdam lebende Künstlerin. Ihre Arbeiten umfassen Workshops, Performances, Interventionen und Publikationen, die Bewegungs- und Verhaltensweisen sowie ihre gesellschaftlichen und räumlichen Bedingungen durch spielerische Szenarien ergründen.

www.ilkegers.info

Emma Haugh ist eine in Berlin lebende Künstlerin. In ihrer Arbeit kombiniert sie Techniken von visueller Kunst und Theater und benutzt diese als fragende Annäherung an fotografische Dokumentation und Repräsentation. Performativität wird ergründet als Technik kritischer Verkörperung und Aktivierung, basierend auf einem Engagement mit bestimmten sozialen Situationen und Gruppen. Haugh arbeitet seit 15 Jahren mit Fotografie und Theater. Ihre momentanen Arbeitsmethoden sind grundlegend durch ihre Spezialisierung und ihr Training im Theatre of the Oppressed von Augusto Boal geprägt.

www.emmahaugh.com

Conny Karlsson Lundgren ist ein in Stockholm lebender, schwedischer Künstler. In seiner künstlerischen Praxis fasziniert ihn das Flüchtige und scheinbar zufällige Spuren und Momente, die zusammengefügt einen größeren Kontext eröffnen. Durch Film, Text, Bild und Dokumente fokussiert er auf ein nichtlineares und assoziatives Schreiben von Geschichte(n), dass die Grenzen zwischen sozialer, politischer und privater Identität ergründet.

www.connykarlsson.se

Emanuel Mathias sieht seine künstlerische Arbeit als eine ergebnisoffene Recherche an der Schnittstelle von Kunst- und Wissensproduktion. Dafür arbeitet er oft an langfristigen Projekten in interdisziplinären Konstellationen und nutzt dafür die Mittel der Fotografie, zeitbasierte Medien, Found Footage und textbasierte Methoden. Das Ziel ist die multiperspektivische Darstellung komplexer Sachverhalte mit dem Schwerpunkt auf der Wahrnehmung dieser.

www.emanuelmathias.com

Die in Kroatien geborene und in Brüssel lebende Künstlerin Hana Miletić (HR, BE) erkundet die Überbleibsel und
Umbrüche politischer Entwicklungen vor allem durch den Blick auf subjektive Formungsprozesse – auf der Ebene des Individuums und des Kollektivs. Sie beschreibt ihre Praxis als „Street Photography“, durch die sie Objekte und Geschichten dokumentiert. Fotografie dient dabei als Mittel der Orientierung innerhalb ihrer Erforschung der gesellschaftlichen Realität. Ihre Ergebnisse schlagen sich unter anderem in Form von Printed Matter, Performances und Installationen nieder.

www.hanamiletic.com

Kym Ward ist eine in Brüssel lebende Künstlerin, die sich dafür interessiert wie man Mehrwert und Potential der Performance zu unserem Vorteil und als verkörperte, angeeignete Kritik moderner Arbeits-und Lebensbedingungen nutzen kann. Sie arbeitet oft undercover und versucht Situationen von gegenseitigem, profitierenden Austausch durch die Manipulation schon vorhandener sozialer Strukturen und Orte zu inszenieren. Anstatt diese Situationen direkt zu dokumentieren unterfüttert sie diese mit Comedy, Slapstick und dem Absurden um die Ereignisse für ein Kunstpublikum zu fiktionalisieren und die originären Orte als aktivistische Situationen zu bewahren.

www.kymward.com

Katharina Zimmerhackl, "Consonant things vibrate together"
Katharina Zimmerhackl, "Consonant things vibrate together"

Katharina Zimmerhackl ist eine in Leipzig lebende Künstlerin, deren Praxis sich zwischen Konzeptkunst und politischer Theorie bewegt. Der thematische Fokus liegt dabei auf der Ergründung visueller und literarischer Sprachen sowie Fragen nach Wissensformen und ihrer geschichtlichen Produktion, meist mit feministischem Schwerpunkt. In ihrer Arbeit eignet sie sich wissenschaftliche Methoden an und überführt durch Reinszenierung und Fragmentierung das recherchierte Material in Skripte, Notationen oder Partituren, die Körper und Stimme in den Fokus rücken. Zunehmend fließen narrative Möglichkeiten der Bühne und partizipatorische Aspekte in diese Notationen ein.

www.katharinazimmerhackl.de

Gefördert durch:

Die Ausstellung ist Teil des D21-Jahresprogramms „Material Recht“.

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (KdFS), dem Kulturamt der Stadt Leipzig und IASPIS (Swedish Arts Grants Committee).

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